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Was ist 3D-Druck? Geschichte, Funktionsweise und Entwicklung der additiven Fertigung

Vom digitalen Modell zum echten Gegenstand

Ein Ersatzteil für ein Haushaltsgerät, ein individuelles Gehäuse für Elektronik, eine Halterung für die Werkstatt, ein Prototyp für ein neues Produkt oder eine Figur für das nächste Hobbyprojekt: Viele Gegenstände, für deren Herstellung früher Maschinen, Formen oder spezialisierte Betriebe notwendig waren, können heute direkt aus einer digitalen Datei entstehen.

Möglich macht das der 3D-Druck.

Was vor einigen Jahrzehnten noch eine extrem teure Technologie für Industrie und Forschung war, steht heute auf Schreibtischen, in Werkstätten, Schulen und kleinen Unternehmen.

Dabei ist die Grundidee erstaunlich einfach:

Ein digitales dreidimensionales Modell wird Schicht für Schicht in einen realen Gegenstand verwandelt.

Doch hinter diesem scheinbar einfachen Prinzip steckt eine Entwicklung, die mittlerweile mehr als vier Jahrzehnte zurückreicht.

In diesem Beitrag schauen wir uns deshalb genauer an, was 3D-Druck eigentlich ist, wie er funktioniert, wo seine Ursprünge liegen und warum sich die Technologie in den vergangenen Jahren so stark entwickelt hat.


Was ist 3D-Druck?

3D-Druck bezeichnet verschiedene Fertigungsverfahren, bei denen ein dreidimensionales Bauteil auf Grundlage eines digitalen Modells schichtweise aufgebaut wird.

Der technische Oberbegriff dafür lautet:

Additive Fertigung – Additive Manufacturing (AM).

Das Wort „additiv“ beschreibt bereits einen der wichtigsten Unterschiede zu klassischen Fertigungsverfahren.

Bei einer CNC-Fräse wird beispielsweise Material von einem vorhandenen Werkstück entfernt.

Das ist ein subtraktives Fertigungsverfahren.

Beim 3D-Druck passiert das Gegenteil.

Das Bauteil entsteht dadurch, dass nur dort Material hinzugefügt wird, wo es laut digitalem Modell benötigt wird.

Vereinfacht gesagt:

Fräsen: Materialblock → Material entfernen → fertiges Bauteil

3D-Druck: digitales Modell → Material hinzufügen → fertiges Bauteil

Diese Arbeitsweise ermöglicht Formen und Strukturen, die mit traditionellen Produktionsverfahren teilweise nur sehr schwierig oder überhaupt nicht hergestellt werden können.


Wie funktioniert ein 3D-Drucker?

Auch wenn unterschiedliche 3D-Druckverfahren technisch vollkommen verschieden arbeiten können, beginnt der Prozess normalerweise mit demselben Ausgangspunkt:

Einem digitalen 3D-Modell.

Dieses Modell kann beispielsweise mit einer CAD-Software konstruiert werden.

Bekannte Programme dafür sind unter anderem:

  • Autodesk Fusion
  • FreeCAD
  • Blender
  • SolidWorks
  • Onshape
  • Tinkercad

Alternativ können bereits fertige Modelle von Plattformen wie MakerWorld, Printables oder Thingiverse heruntergeladen werden.

Typische Dateiformate sind beispielsweise:

STL, 3MF und OBJ.

Doch diese Datei kann ein 3D-Drucker noch nicht einfach drucken.

Dazwischen befindet sich ein entscheidender Schritt.


Der Slicer – Übersetzer zwischen Modell und 3D-Drucker

Eine 3D-Datei beschreibt zunächst hauptsächlich die Geometrie eines Objekts.

Der Drucker benötigt dagegen genaue Bewegungs- und Fertigungsinformationen.

Hier kommt der sogenannte Slicer ins Spiel.

Bekannte Programme sind beispielsweise:

  • Bambu Studio
  • OrcaSlicer
  • PrusaSlicer
  • Cura

Der Slicer zerlegt das digitale Modell – daher der Name – in viele einzelne horizontale Schichten.

Dabei werden gleichzeitig zahlreiche Druckparameter berücksichtigt.

Zum Beispiel:

  • Schichthöhe
  • Druckgeschwindigkeit
  • Wandstärke
  • Füllstruktur
  • Füllgrad
  • Temperaturen
  • Stützstrukturen
  • Kühlung
  • Materialfluss

Aus diesen Informationen entsteht anschließend der Maschinen-Code, häufig in Form von G-Code.

Der Drucker weiß dadurch unter anderem:

Wohin muss sich der Druckkopf bewegen?

Wie schnell soll er sich bewegen?

Wann muss Material extrudiert werden?

Welche Temperatur wird benötigt?


Was bedeutet Infill?

Ein großer Vorteil des 3D-Drucks besteht darin, dass Bauteile normalerweise nicht vollständig massiv hergestellt werden müssen.

Das Innere kann aus einer sogenannten Infill-Struktur bestehen.

Je nach Anwendung können beispielsweise 10 %, 20 %, 40 % oder deutlich höhere Füllgrade verwendet werden.

Dadurch lassen sich Materialverbrauch, Gewicht und teilweise auch Druckzeit reduzieren.

Gleichzeitig können unterschiedliche Strukturen verwendet werden.

Beispiele sind:

  • Grid
  • Gyroid
  • Honeycomb
  • Cubic
  • Lines

Welche Kombination sinnvoll ist, hängt stark vom jeweiligen Bauteil und dessen Belastung ab.

Ein Dekorationsobjekt benötigt völlig andere Eigenschaften als eine mechanisch belastete Halterung.


Die Geschichte des 3D-Drucks beginnt früher als viele denken

3D-Druck wirkt wie eine vergleichsweise junge Technologie.

Die grundlegenden Entwicklungen reichen allerdings bis in die 1980er-Jahre zurück.

Zu dieser Zeit beschäftigten sich mehrere Forscher und Entwickler mit der Frage, ob dreidimensionale Gegenstände automatisiert aus digitalen Daten aufgebaut werden könnten.

Ein wichtiger früher Ansatz stammte vom japanischen Forscher Hideo Kodama.

Kodama beschrieb Anfang der 1980er-Jahre ein Verfahren, bei dem lichtempfindliches Kunstharz schichtweise durch UV-Licht ausgehärtet werden konnte.

Damit war ein wesentliches Grundprinzip späterer 3D-Druckverfahren bereits vorhanden.


Chuck Hull und die Stereolithografie

Einer der wichtigsten Namen in der Geschichte des 3D-Drucks ist Chuck Hull.

Hull entwickelte in den 1980er-Jahren ein Verfahren, bei dem flüssiges Photopolymer gezielt mit Licht ausgehärtet wird.

Dieses Verfahren wurde als Stereolithografie, kurz SLA, bekannt.

1984 reichte Hull eine entsprechende Patentanmeldung ein. Wenige Jahre später gründete er 3D Systems.

1987 brachte das Unternehmen mit dem SLA-1 eines der ersten kommerziellen Systeme dieser Art auf den Markt.

Damit begann der 3D-Druck zunehmend seinen Weg von der Forschung in die industrielle Anwendung.


Die Entstehung des FDM-Verfahrens

Ende der 1980er-Jahre entstand ein weiteres Verfahren, das für die heutige Maker- und Desktop-3D-Druck-Welt besonders wichtig werden sollte.

Fused Deposition Modeling – FDM.

Das Verfahren wurde mit Scott Crump, dem Mitgründer von Stratasys, bekannt.

Dabei wird thermoplastischer Kunststoff erhitzt und durch eine Düse aufgetragen.

Schicht für Schicht entsteht dadurch das gewünschte Objekt.

Genau dieses Grundprinzip verwenden auch heute viele Desktop-3D-Drucker.

Im freien beziehungsweise allgemeinen Sprachgebrauch findet man dafür außerdem die Bezeichnung:

FFF – Fused Filament Fabrication.


Die 1990er: 3D-Druck bleibt zunächst Industrietechnologie

In den 1990er-Jahren entwickelten sich additive Fertigungsverfahren weiter.

Neben SLA und FDM etablierten sich weitere Technologien.

Dazu gehört beispielsweise das Selective Laser Sintering (SLS).

Bei diesem Verfahren wird pulverförmiges Material mithilfe eines Lasers gezielt verbunden.

3D-Drucker waren damals allerdings weit entfernt von einem normalen Verbraucherprodukt.

Die Systeme waren:

  • groß
  • teuer
  • technisch komplex
  • wartungsintensiv

Dementsprechend wurden sie vor allem für industrielle Anwendungen und das sogenannte Rapid Prototyping eingesetzt.

Unternehmen konnten damit Prototypen deutlich schneller herstellen als mit vielen traditionellen Verfahren.


Rapid Prototyping verändert die Produktentwicklung

Genau hier zeigte sich früh eine der größten Stärken des 3D-Drucks.

Stellen wir uns vor, ein Unternehmen entwickelt ein neues Kunststoffgehäuse.

Beim klassischen Produktionsverfahren könnte zunächst eine Form benötigt werden.

Das kostet Zeit und Geld.

Und dann stellt man beim ersten Muster fest:

Eine Bohrung sitzt zwei Millimeter zu weit links.

Beim 3D-Druck sieht der Prozess anders aus:

CAD-Modell erstellen → drucken → testen → Modell verändern → erneut drucken.

Dadurch können mehrere Entwicklungsstufen innerhalb kurzer Zeit getestet werden.

Dieses Prinzip ist bis heute einer der wichtigsten Anwendungsbereiche der additiven Fertigung.


RepRap bringt 3D-Druck in die Maker-Welt

Ein entscheidender Wendepunkt für den Desktop-3D-Druck kam Mitte der 2000er-Jahre.

2005 startete Adrian Bowyer an der University of Bath das RepRap-Projekt.

RepRap steht für:

Replicating Rapid Prototyper.

Die Idee war bemerkenswert:

Ein frei zugänglicher 3D-Drucker sollte möglichst viele Bauteile herstellen können, die wiederum für den Bau weiterer 3D-Drucker benötigt werden.

Das Projekt setzte stark auf Open Source.

Konstruktionsdaten, Software und Entwicklungen konnten von der Community genutzt und verbessert werden.

Damit entstand ein Ökosystem, dessen Einfluss auf den heutigen Desktop-3D-Druck kaum überschätzt werden kann.


Aus Industrieanlagen werden Desktop-Drucker

In den folgenden Jahren wurden verschiedene Patente älterer 3D-Drucktechnologien frei.

Gleichzeitig entwickelte sich rund um RepRap eine immer größere Community.

Neue Hersteller entstanden.

Elektronik wurde günstiger.

Open-Source-Firmware entwickelte sich weiter.

Stepper-Motoren, Controller und andere Komponenten wurden einfacher verfügbar.

Dadurch fielen die Preise drastisch.

Plötzlich musste ein 3D-Drucker nicht mehr mehrere zehntausend Euro kosten.

Desktop-Systeme wurden für:

  • Maker
  • Modellbauer
  • Schulen
  • Entwickler
  • Hobbyanwender
  • kleine Unternehmen

erschwinglich.


Die große Maker-Bewegung der 2010er-Jahre

In den 2010er-Jahren nahm die Entwicklung enorm Fahrt auf.

Unternehmen und Projekte wie MakerBot, Ultimaker, Prusa Research und zahlreiche weitere Hersteller machten Desktop-3D-Druck zunehmend bekannt.

Gleichzeitig entstanden große Online-Communitys.

Nutzer konnten ihre Konstruktionen hochladen und mit anderen teilen.

Damit änderte sich etwas Grundlegendes:

Man musste nicht mehr zwingend selbst CAD-Konstrukteur sein, um einen 3D-Drucker sinnvoll verwenden zu können.

Ein Nutzer konnte ein vorhandenes Modell herunterladen, slicen und anschließend selbst herstellen.


PLA wird zum Material für den Einstieg

Parallel zur Entwicklung der Drucker wurden auch Filamente immer besser verfügbar.

Besonders PLA entwickelte sich zu einem der beliebtesten Materialien im Desktop-Bereich.

PLA lässt sich vergleichsweise unkompliziert drucken und ist mittlerweile in unzähligen Farben und Varianten erhältlich.

Doch PLA ist längst nicht das einzige Material.

Heute werden im FDM-/FFF-Bereich beispielsweise verwendet:

  • PLA
  • PETG
  • ABS
  • ASA
  • TPU
  • Nylon/PA
  • Polycarbonat
  • faserverstärkte Kunststoffe
  • technische Spezialfilamente

Dadurch hat sich der Desktop-3D-Druck weit über reine Dekorationsobjekte hinaus entwickelt.


Vom Bastelgerät zur zuverlässigen Maschine

Wer bereits vor zehn oder mehr Jahren mit günstigen 3D-Druckern gearbeitet hat, kennt wahrscheinlich noch einen ganz anderen Alltag.

Druckbetten mussten ständig manuell nivelliert werden.

Die erste Schicht war häufig ein Glücksspiel.

Filamentzuführung verursachte Probleme.

Druckprofile mussten mühsam angepasst werden.

Hohe Geschwindigkeiten waren kaum denkbar.

Und ein Druck über viele Stunden bedeutete manchmal schlicht:

Hoffen, dass morgens noch alles auf dem Druckbett steht.

Genau hier haben moderne Geräte einen enormen Sprung gemacht.


Moderne 3D-Drucker arbeiten deutlich automatisierter

In den vergangenen Jahren wurden viele Funktionen Standard, die früher hochwertigen oder selbstgebauten Systemen vorbehalten waren.

Dazu gehören beispielsweise:

  • automatische Druckbettnivellierung
  • automatische Z-Offset-Kalibrierung
  • Filamentsensoren
  • Wiederaufnahme nach Stromausfall
  • Kameras
  • Netzwerksteuerung
  • automatische Kalibrierungen
  • Input Shaping
  • Pressure Advance
  • höhere Beschleunigungen
  • verbesserte Hotends
  • flexiblere Druckplatten

Das Resultat:

3D-Druck wird zunehmend weniger zu einem Projekt über den 3D-Drucker selbst und stärker zu einem Werkzeug für das eigentliche Produkt.

Und genau das ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Entwicklungen überhaupt.


Geschwindigkeit verändert den Desktop-3D-Druck

Ein weiterer großer Entwicklungsschritt der vergangenen Jahre betrifft die Druckgeschwindigkeit.

Moderne CoreXY-Systeme und optimierte Bewegungssteuerungen ermöglichen wesentlich höhere Geschwindigkeiten und Beschleunigungen als viele klassische Desktop-Geräte.

Dabei geht es nicht nur darum, Rekordwerte auf eine Verpackung zu schreiben.

Schnellere Maschinen verändern auch die Wirtschaftlichkeit.

Wenn ein Bauteil statt beispielsweise acht Stunden nur vier oder fünf Stunden benötigt, bedeutet das für einen Druckdienstleister:

  • höhere Maschinenkapazität
  • kürzere Lieferzeiten
  • geringere Maschinenkosten pro Bauteil
  • mehr Aufträge pro Drucker

Gerade für professionelle 3D-Druck-Services ist dieser Fortschritt enorm relevant.


Mehrfarb- und Mehrmaterialdruck

Auch die Materialzuführung entwickelt sich weiter.

Automatische Systeme können mehrere Filamente verwalten und während des Drucks wechseln.

Dadurch entstehen beispielsweise:

  • mehrfarbige Modelle
  • Beschriftungen
  • Logos
  • unterschiedliche Materialkombinationen
  • lösliche oder leichter entfernbare Supportstrukturen

Allerdings erzeugen Materialwechsel je nach Verfahren zusätzliches Abfallmaterial und erhöhen die Druckzeit.

Nicht jede technisch mögliche Funktion ist deshalb automatisch für jedes Produkt wirtschaftlich sinnvoll.


3D-Druck ist längst mehr als Kunststoff

Wenn von 3D-Druck gesprochen wird, denken viele zuerst an eine Rolle Kunststofffilament.

Die additive Fertigung umfasst jedoch deutlich mehr.

Heute werden unter anderem verarbeitet:

  • Thermoplaste
  • Photopolymere
  • Kunstharze
  • Metallpulver
  • Keramik
  • Verbundwerkstoffe

Industrielle Systeme fertigen Bauteile beispielsweise aus Aluminium, Edelstahl, Titan oder speziellen Legierungen.

Damit wird additive Fertigung unter anderem in der Luft- und Raumfahrt, Medizin und industriellen Produktion eingesetzt.


3D-Druck in der Medizin

Besonders interessant ist die additive Fertigung im medizinischen Umfeld.

Sie kann beispielsweise für:

  • patientenspezifische Modelle
  • Operationsplanung
  • Prothesen
  • Orthesen
  • Zahnmedizin
  • Implantatstrukturen

eingesetzt werden.

Ein entscheidender Vorteil liegt dabei wieder in der Individualisierung.

Während Massenproduktion davon lebt, möglichst viele identische Teile herzustellen, kann der 3D-Druck seine Stärke gerade dann ausspielen, wenn jedes Teil anders sein darf oder sogar anders sein muss.


Warum 3D-Druck klassische Fertigung nicht ersetzt

Bei aller Begeisterung ist eines wichtig:

3D-Druck ist nicht automatisch das beste Herstellungsverfahren.

Wenn beispielsweise eine Million identische Kunststoffteile produziert werden sollen, ist Spritzguss häufig wesentlich wirtschaftlicher.

Auch hinsichtlich:

  • Oberflächenqualität
  • mechanischer Eigenschaften
  • Fertigungsgeschwindigkeit
  • Stückkosten

können traditionelle Verfahren überlegen sein.

Die eigentliche Stärke des 3D-Drucks liegt deshalb weniger darin, sämtliche Fertigungsverfahren zu ersetzen.

Seine Stärke liegt dort, wo klassische Verfahren unflexibel oder teuer werden.


Wann ist 3D-Druck besonders sinnvoll?

Typische Beispiele sind:

Einzelstücke

Es wird genau ein bestimmtes Bauteil benötigt.

Kleine Serien

Eine teure Produktionsform würde sich nicht lohnen.

Prototypen

Eine Konstruktion soll schnell getestet werden.

Ersatzteile

Das Originalteil wird nicht mehr produziert.

Individualisierte Produkte

Jedes Bauteil benötigt andere Maße, Namen oder Eigenschaften.

Komplexe Geometrien

Die Form wäre mit traditionellen Fertigungsverfahren schwierig herzustellen.

Schnelle Iterationen

Eine Konstruktion wird mehrfach verändert und getestet.

Genau in diesen Bereichen zeigt additive Fertigung ihre größten Vorteile.


Der vielleicht größte Vorteil: lokale Produktion

3D-Druck verändert außerdem die Frage, wo ein Produkt hergestellt werden muss.

Eine digitale Datei kann theoretisch weltweit übertragen und anschließend lokal gefertigt werden.

Statt:

Produkt herstellen → lagern → um die Welt transportieren

kann in bestimmten Anwendungsfällen daraus werden:

Datei übertragen → Produkt dort herstellen, wo es benötigt wird.

Natürlich funktioniert dieses Modell nicht für jedes Produkt.

Bei Ersatzteilen, Prototypen und individualisierten Kleinserien kann es jedoch ausgesprochen interessant sein.


Vom eigenen 3D-Drucker zum 3D-Druck-Service

Gleichzeitig benötigt nicht jeder Mensch einen eigenen 3D-Drucker.

Genau hier entsteht ein weiterer Markt.

Viele Menschen haben:

  • eine STL-Datei
  • eine Konstruktion
  • eine Idee
  • ein defektes Bauteil
  • ein Modell aus einer Community

aber keinen eigenen Drucker.

Oder sie besitzen einen Drucker, benötigen aber ein anderes Material, einen größeren Bauraum oder zusätzliche Produktionskapazität.

Hier kommen 3D-Druck-Dienstleister ins Spiel.

Und genau diese Entwicklung ist auch für Craft & Design besonders interessant.


3D-Druck bei Craft & Design

Bei Craft & Design ist 3D-Druck längst ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.

Dabei geht es nicht nur um fertige Produkte.

Immer wieder entstehen individuelle Lösungen, Ersatzteile, Halterungen, Gehäuse, Prototypen und Projekte, die ein konkretes Problem lösen sollen.

Genau deshalb möchten wir den Zugang zum individuellen 3D-Druck weiter vereinfachen.

Ein Kunde mit einer fertigen Datei sollte nicht zwingend erst mehrere E-Mails schreiben müssen, um herauszufinden, was sein Druck kostet.

Daraus entstand unser eigener 3D-Druck-Service.


Die nächste Entwicklungsstufe: DruckNavi 3D

Aus dieser praktischen Erfahrung entstand schließlich ein weiteres Projekt:

DruckNavi 3D.

Die Idee dahinter:

Der Kunde soll seine 3D-Datei direkt im WooCommerce-Shop hochladen können.

Anschließend kann er sein Projekt konfigurieren und den Druck direkt bestellen.

Der Ablauf soll möglichst einfach sein:

Datei hochladen → Modell analysieren → Material auswählen → konfigurieren → Preis erhalten → bestellen.

Damit verbindet sich die Entwicklung des 3D-Drucks mit einer zweiten Entwicklung:

der zunehmenden Automatisierung des Bestell- und Produktionsprozesses.

Dies wollen wir nicht nur für uns haben, sondern wollen diese Technik und das Plugin an weitere kleine Kreator weitergeben und zur Verfügung stellen.


Der Slicer wird künftig noch wichtiger

Ein besonders spannender Bereich unserer weiteren Entwicklung ist die direkte Verbindung zwischen Online-Konfiguration und Slicer.

Denn ein Modellvolumen allein verrät noch nicht zuverlässig, wie teuer ein Druck tatsächlich ist.

Zwei Modelle können äußerlich ähnlich groß sein und trotzdem vollkommen unterschiedliche:

  • Druckzeiten
  • Materialmengen
  • Supportstrukturen
  • Wandstärken
  • Infill-Anforderungen

haben.

Eine Slicer-gestützte Kalkulation kann wesentlich näher an den tatsächlichen Produktionswerten arbeiten.

Genau deshalb gehört diese Integration zu den nächsten großen Entwicklungszielen von DruckNavi 3D.


Wohin entwickelt sich der 3D-Druck?

Die vergangenen Jahrzehnte zeigen einen deutlichen Trend:

3D-Drucker werden schneller, intelligenter und einfacher zu bedienen.

Gleichzeitig verbessern sich:

  • Materialien
  • Software
  • Automatisierung
  • Slicer
  • Sensorik
  • Qualitätssicherung
  • Vernetzung

Der nächste große Schritt dürfte deshalb nicht allein darin bestehen, noch schnellere Drucker zu bauen.

Mindestens genauso wichtig wird die Automatisierung der gesamten Prozesskette.

Von der Datei über die Kalkulation und Produktion bis zum Versand.


KI und automatische Modellanalyse

Auch künstliche Intelligenz und automatisierte Analyseverfahren könnten künftig eine größere Rolle spielen.

Ein System könnte beispielsweise erkennen:

  • ob ein Modell druckbar erscheint
  • welche Orientierung sinnvoll ist
  • ob Support benötigt wird
  • welches Material geeignet sein könnte
  • ob Wandstärken problematisch sind
  • welcher Drucker für den Auftrag geeignet ist

Damit könnte ein Teil der Erfahrung, die heute ein Mensch bei jedem Auftrag einbringen muss, zunehmend durch Software unterstützt werden.

Der Mensch verschwindet dadurch nicht aus dem Prozess.

Stattdessen kann er sich stärker auf die Fälle konzentrieren, bei denen tatsächlich Erfahrung und individuelle Entscheidungen notwendig sind.


Von der Maschine zur digitalen Fertigungsplattform

Genau darin könnte die nächste große Veränderung liegen.

Früher stand die Frage im Mittelpunkt:

„Kann ein 3D-Drucker dieses Teil überhaupt herstellen?“

Heute lautet die Frage zunehmend:

„Wie automatisieren wir den Weg von der Datei zum fertigen Produkt?“

Das ist ein fundamentaler Unterschied.

3D-Druck entwickelt sich damit von einer einzelnen Maschine zu einem Bestandteil einer digitalen Fertigungskette.


Fazit: 3D-Druck hat gerade erst angefangen

Von den ersten Experimenten mit lichtempfindlichen Kunstharzen in den 1980er-Jahren über industrielle Rapid-Prototyping-Anlagen bis zu modernen, vernetzten Desktop-Druckern war es ein langer Weg.

Innerhalb weniger Jahrzehnte wurde aus einer extrem spezialisierten Technologie ein Werkzeug, das heute praktisch jedem zugänglich ist.

Und trotzdem dürfte die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen sein.

Schnellere Maschinen, bessere Materialien, automatische Kalibrierungen, intelligentere Slicer und zunehmend automatisierte Produktionsprozesse verändern den 3D-Druck kontinuierlich.

Für mich liegt darin das eigentlich Faszinierende:

3D-Druck macht aus einer digitalen Idee ein reales Produkt.

Manchmal ist es ein Prototyp.

Manchmal ein Ersatzteil.

Manchmal eine individuelle Lösung für ein Problem, für das es schlicht kein fertiges Produkt zu kaufen gibt.

Und manchmal entsteht daraus sogar die Idee für ein völlig neues Produkt oder Unternehmen.

Genau diese Möglichkeiten machen den 3D-Druck auch mehr als 40 Jahre nach seinen Anfängen zu einer der spannendsten Fertigungstechnologien unserer Zeit.

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